Wenn die Wohnung krank macht: Sick-Building-Syndrom

Mann sitzt müde auf dem Sofa

© Liubomir AdobeStock 572960053

Das eigene Zuhause sollte ein Rückzugsort zum Wohlfühlen und Erholen sein. Aber was, wenn die Wohnung diesem Anspruch nicht gerecht wird und sogar krank macht? Dafür gibt es inzwischen einen Namen: Das Sick-Building-Syndrom ist zu einem Sammelbegriff für Beschwerden geworden, die auf Schadstoffe oder auch Schimmelsporen in Gebäuden zurückzuführen sind. Obwohl inzwischen die Verwendung einiger Baustoffe verboten ist, nachdem sich ihre gesundheitsschädliche Wirkung herausgestellt hat, gibt es nach wie vor Risikofaktoren in den eigenen vier Wänden. Und nicht immer ist auf Anhieb ersichtlich, woher das Problem kommt.

Beschwerden durch Schadstoffe

Bei einer erhöhten Belastung durch Schadstoffe gibt es eine Reihe typischer Beschwerden, die auftreten können. Dazu zählen unter anderem:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Gereizte Augen oder Schleimhäute
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Schwindel

Diese Beschwerden sind sehr diffus und können eine Menge anderer Ursachen haben. Wenn man sich nicht gut fühlt und den Verdacht hat, es könnte mit der Wohnung zusammenhängen, kann es auch sinnvoll sein, zuerst zu überlegen, ob ein neues Möbelstück angeschafft wurde oder ob vor Kurzem Reparaturen stattgefunden haben. Auch heute besteht noch die Gefahr, dass neue Möbel Formaldehyd ausdünsten, das auf die Atemwege schlagen kann, oder Lacke und Farben Schadstoffe abgeben. Manche Holzschutzmittel oder Weichmacher im Plastik von Dichtungen oder sogar Spielzeugen können sich ebenfalls negativ auswirken.

Gerade solche schädlichen Stoffe sind jedoch oft schwer nachzuweisen. Deswegen ist es hilfreich, bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen möglichst viele Informationen zu sammeln:

  • Welche Beschwerden treten genau auf?
  • Empfindet man diese nur in bestimmten Räumen oder in der ganzen Wohnung?
  • Wurden kürzlich Renovierungsarbeiten durchgeführt?

Durch das Sammeln von Informationen kann man die Problematik in manchen Fällen bereits eingrenzen und der Ursache näherkommen.

Schlechte Luft in Wohnräumen kann aber auch durch ganz andere Faktoren entstehen. So geben manche Produkte, die man im Alltag nutzt, belastenden Feinstaub, Lösungsmittel oder andere Stoffe ab. Beispiele dafür sind Reinigungsmittel, Produkte zur Imprägnierung von Kleidung, aber auch Haarsprays und Nagellackentferner. Auch Kamine oder Zimmerkamine mit Ethanol kommen als Übeltäter infrage. Ganz oben auf der Liste der Dinge, die die Luftqualität in Wohnräumen verschlechtern, steht außerdem Zigarettenrauch.

Um sicherzugehen, ob Beschwerden mit Schadstoffen in der Wohnung zusammenhängen, sollte man zunächst den Hausarzt aufsuchen. Dieser kann andere Erkrankungen als Ursache ausschließen. Um Schadstoffe dann zweifelsfrei nachweisen zu können, bleibt nur das Gutachten eines entsprechenden Instituts.

Feuchtigkeit und Schimmel

Werden Räume nicht ausreichend belüftet, droht Schimmel, besonders dann, wenn die Luftfeuchtigkeit in den betroffenen Räumen besonders hoch ist. Schimmel kann aber auch dort entstehen, wo eine Wand kälter ist als die anderen, also beispielsweise eine Außenwand nicht ausreichend gedämmt ist. Außerdem sind zu niedrige Temperaturen in Wohnräumen ein Risikofaktor: Die Raumtemperatur sollte bei mindestens 16 bis 18 Grad liegen. Richtiges Lüften ist deswegen Stoßlüften, bei dem man das Fenster kurz komplett öffnet und nach wenigen Minuten wieder schließt, damit der Raum nicht auskühlt.

Schimmel und Feuchtigkeit treten also oft in Kombination auf. Eine zu hohe Feuchtigkeit in Wohnräumen führt außerdem dazu, dass man häufiger krank wird. Auch besteht ein Zusammenhang zum Risiko von Kindern, an Asthma zu erkranken. Die Feuchtigkeit in den eigenen vier Wänden lässt sich vergleichsweise leicht mit einem Hygrometer nachmessen. Als Obergrenze gelten 60 Prozent.

Auch Lärm macht krank

Die Wohnqualität kann nicht nur durch schädliche Substanzen erheblich gemindert werden. Ein entscheidender Aspekt ist Lärm. So gibt es Studien darüber, dass eine dauerhafte Lärmbelastung krank macht, beispielsweise wenn man an einer vielbefahrenen Straße lebt, an der auch nachts keine Ruhe einkehrt. Dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen, vor allem, weil man die Folgen von Lärm unter Umständen zunächst gar nicht bewusst wahrnimmt. Auch wenn man nachts schlafen kann, schläft man unter Lärmbelastung oft weniger tief. Der Schlaf ist weniger erholsam und man fühlt sich müde, obwohl man keine Störungen wahrgenommen hat und davon ausgeht, genug geschlafen zu haben.

Lärm ist jedoch nicht gleich Lärm. Während einige Formen geduldet werden müssen, können andere, zum Beispiel Bauarbeiten, eine Mietminderung rechtfertigen. Bei Verkehrslärm kommt es darauf an: Wenn der Geräuschpegel bereits zum Zeitpunkt des Einzugs in dieser Form bestanden hat, muss man ihn in aller Regel hinnehmen. Man kann den Vermieter auf eine bessere Schallisolierung ansprechen, es gibt jedoch keinen Rechtsanspruch darauf.

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